Von:
Birgit Görmann

e-mond.de

Der Mond ist rund, der Mond ist rund, hat zwei Augen, Nas´ und Mund! Wie häufig wird der Mond in Kinderreimen oder Liedern beschrieben. Und wie selten sehen wir ihn uns wirklich richtig an! Seit wir vor kurzem umgezogen sind, sehen wir den Mond sehr viel häufiger an. Wir haben ein großes Wohnzimmerfenster mit einem herrlichen Blick auf einen Hügel mit Kapelle. Diese Kapelle wird nachts wunderbar beleuchtet und daneben erscheint dann der Mond. Mal weiß, mal gelb, gerne auch mal orange. Ich habe mich immer sehr über den Gedanken amüsiert, es könnte einen Mann im Mond geben oder der Mond hätte ein Gesicht. Als kindlichen Aberglauben habe ich das mit einem Schmunzeln abgetan.

Neulich aber gab es eine Mondfinsternis und zum ersten Mal konnte ich deutlich das Gesicht erkennen. Das Mondgesicht direkt vor mir und direkt neben der Kapelle. Das abergläubische Mondgesicht neben dem katholischen Gotteshaus. Ein wunderbares Bild. Und so weit liegt beides gar nicht auseinander.

Glaube und Aberglaube. Was es mit dem Aberglauben auf sich hat, das merken wir, wenn sich unsere Befürchtungen nicht erfüllen. Was es mit dem Glauben auf sich hat, das merken wir, wenn sich unsere Befürchtungen erfüllen, wir aber getragen werden und nicht daran scheitern und zu Grunde gehen. Und wie der Aberglaube mit der Kindheit oft aus unseren Köpfen verschwindet, so wächst und entwickelt sich der Glaube nach der Kindheit immer weiter. Sicher schwankt unser fester Glaube auch oder wir denken für eine Weile nicht daran, aber er gibt uns doch immer wieder Halt. Das Mondgesicht bringt uns zum Schmunzeln, aber die Kapelle bietet uns Trost, wenn wir den Tränen nahe sind.